Zeugenbericht eines Betreuers

Nach dem verlorenen WM-Spiel gegen Slowenien trafen alle Jugendlichen und die Betreuer in einem 5-Sterne-Bus in Hellenthal ein. Das 0:1 trübte etwas die Stimmung. Im Bus soll der Name Simone...

...1000 mal gerufen worden sein. Das ist weltmeisterlich. Nach ersten Erkundungen auf dem Gelände der Jugendherberge gab es zur Begrüßung ein 5-Sterne-Abendessen. Sogar warme Bratkartoffeln mit Speck standen auf der langen Speisekarte. Im Anschluss wurden die Zimmer bezogen.

Beim Kickern war Betreuer Martin K. nicht zu schlagen. Die Vermutung liegt nah, dass er viele Stunden seiner Kindheit diesen „Sport“ betrieben hat. Angeblich hatte er in seinem Kinderzimmer einen Kicker stehen. Eine schöne Alternative zu Hausaufgaben. Das gute Wetter wurde für freies Spiel auf dem Gelände genutzt. Um ½ 9 traf man sich im WM-Life-Übertragungsraum. Leider waren die Engländer so schlecht, dass man sich die 2. Halbzeit schenken konnte.

 

Es folgte ein Höhepunkt des Ausfluges. Das Kartenspiel „uuuuuund Hepp“ wurde begeistert gespielt. Hier konnte Lea W. ihre Reaktionsschnelligkeit beweisen und einen nach dem anderen vom Tisch hauen. Kurz vor Mitternacht startete die Nachtwanderung. Vorbei an gruseligen Wohnwagen und einem kleinen Waldgrab ging es steil den Berg hoch. Leider verfehlten wir den richtigen Weg. Wir hatten uns verlaufen. Wir Betreuer durften uns die Angst nicht anmerken lassen. Mit beruhigenden Worten liefen wir den gleichen Weg zurück. Der ein oder andere wurde schon müde. Ohne Wildschweine gesehen zu haben trafen wir wieder wohlbehalten in der Herberge an. Die Lautstärke in der Gruppe vertrieb wahrscheinlich jedes Tier im Umkreis von 2 Kilometern.

Es kam die Zeit der Nachtruhe. Alle gingen auf ihr Zimmer und schliefen sofort ein. Es war kein Mucks zu hören - So hätte es sein können - Die Wahrheit ist eine andere. Bis spät in die Puppen wurde rumgerannt, Lärm gemacht, Türen geknallt, Kekse gegessen, erzählt, erzählt, erzählt. Kurzeitig bestand sogar die Gefahr, dass sich Geister in Martins Bett legen wollten. Aber dank seiner natürlichen Autorität konnte das gerade noch verhindert werden. Es gibt viele Wände in der Jugendherberge. Leider sind die meisten zu dünn. Deshalb dringen geheime Gespräche fast ohne Schallminderung in das Nebenzimmer. So konnte ich deutlich hören, dass zu nächtlicher Stunde mein Alter höher geschätzt wurde als der Ring an Simones Hand. Leider war der Ring ein Erbstück ihrer Großmutter. Zum Trost durfte ich mich in Sandras Bett legen. Sandra war ja dauernd mit Kontrollgängen durch die Zimmer beschäftigt. Um 3 Uhr nachts bot Martin im großen Jungenzimmer Kekse zum Verzehr an. Aber, oh staune,  die meisten schliefen aber schon.

Wecken war um 7.00 Uhr. Die Vuvuzela kam zu ihrem Einsatz. Martin hatte damals in der Jugendmusikschule dieses Instrument gelernt. Ich glaube alle waren schlagartig wach. Ab 6.00 Uhr hörte ich im Halbschlaf schon lärmende Kinder auf dem Vorplatz. Da diese Gruppe aber nicht aus Weckhoven war, brauchte ich nicht um Ruhe bitten. Pünktlich um 8 gab es ein 5-Sterne- Frühstück. Lunchpakete für den folgenden Tag im Wald wurden gerne gepackt.

Um 9 übernahm Larissa, unsere Wald- und Abenteuerpädagogin. Gruppendynamische Aufwärmspiele schweißten die Gruppen zusammen. Im Waldkletterpark standen nun den ganzen Tag Überwindungs- und Mutproben an. Das Bauen einer Rollbahn über viele Meter erforderte unser ganzes Können. Auch ich meldete mich für die Schluchtüberquerung. Im letzten Moment wollte ich bei Larissa noch um Gnade bitten (mein Ischiasnerv) aber es gab kein Erbarmen. Originalton: „Wenn du fällst, ziehen wir dich zurück“. Gut gesichert konnten schwierige Hindernisse erklettert werden. Wie eine grazile Bergziege kletterte Paula M. auf den immerhin 10 Meter hohen, 3-teiligen Drehquarder, den übrigens nur Mädels bezwingen konnten. Die Herren der Schöpfung glänzten durch gute Ratschläge und den Verlust jeglicher Körperspannung. Teilweise wurde auch der Sicherheitsgurt in empfindlichen Regionen zu eng geschnürt. Nur Freiwillige mussten klettern. Nach etwas Überredung war auch Frauke E. eine Freiwillige.

Zwischendurch: Zeckenalarm!! Natürlich Lea W. war das Opfer. Sie zieht die Tierchen magisch an. Sandras Not-OP brachte wieder alles ins Lot. Es war bestimmt eine tolle Erfahrung für alle Teilnehmer. Zum Abschluss konnten wir uns mit 20 Personen auf eine Grundfläche von unter einem Quadratmeter stellen. Man kam sich verdächtig nah. Hier noch mal ein Danke schön an Larissa, die schon 1 Tag verheiratet war.

Da es zum Abendessen Nudeln mit Hackfleischsoße gab, startete ich meine Rückreise erst im Anschluss. So ein Festessen gibt es nicht alle Tage. Den letzten Tag der Fahrt mussten nun Sandra, Simone und Martin ohne meine moralische Unterstützung durchstehen. Wie ich später gehört habe, lief alles reibungslos. Bis auf diverse Sportverletzungen, nächtliche Wanderschaften ins Handballerlager und die üblichen Verfehlungen, die immer bei Jugendfahrten auftreten.

Mir hat es super gefallen.

Bernhard